FIFA unter Beschuss: Fußball-WM 2022 dank Sklavenarbeit?

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FIFA-Sprecher räumt ein: Arbeitsbedingungen inakzeptabel

„Wir müssen uns nicht darüber unterhalten, dass diese Arbeitsbedingungen inakzeptabel sind", räumte Alexander Koch, Corporate Communications Manager der FIFA live bei stern TV eine Woche später ein. Eine Mitschuld der FIFA lehnt er jedoch ab. Die Arbeitsbedingungen seien auf das Kafala-System zurückzuführen. Laut diesem benötigt jeder ausländische Arbeitnehmer einen einheimischen Bürgen. In der Regel handelt es sich dabei um den Arbeitgeber. Auch kann eine einheimische Institution (wie z.B. Hochschulen, Ministerien, staatliche Unternehmen, etc.) als Bürge auftreten. Der Bürge / Kafīl ist dazu verpflichtet, für die Einreiseformalitäten und die staatliche Registrierung Sorge zu tragen und die Einhaltung der Vertragsformalitäten zu garantieren. Um das zu bewältigen, wird der Pass der ausländischen Arbeitskraft in der Regel durch den Kafīl bis nach Vertragsende eingezogen. Die Dauer eines solchen Vertrags beträgt meist zwei bis fünf Jahre. Nach Ablauf erfolgt entweder die Ausreise bzw. Abschiebung, oder die Vertragsverlängerung. Mit letzterer kann sogar eine Verschlechterung der Arbeitsbedingungen eintreten.

Die Gastarbeiter werden offiziell durch ein Arbeitnehmerrecht geschützt. Vielen Medienberichten zu folge- wie auch in der Dokumentation von stern TV- sind diese eher als rudimentär zu betrachten und sollten nicht überschätzt werden. Man könnte eher sagen, dass viele Bürgen fast gänzlich ausgeliefert sind und sich in einem sklavenartigen Abhängigkeitsverhältnis befinden.

Laut Koch sei das Kafala-System völlig unabhängig von Sportveranstaltungen und das nicht nur in Katar, sondern auch in Ländern wie Bahrain, Saudi Arabien, Irak und Kuweit, und diesen Umstand nähme die Welt seit mindestens 20 Jahren billigend in Kauf. Die Fußball WM habe bezüglich der schlechten Arbeitsbedingungen jedoch schon viel bewirkt. Da stellt sich uns doch gleich die Frage: Was denn? Das ebenfalls „billigende in Kauf nehmen“, das Veranstalten der Fußball WM ist sicher kein adäquates Entgegenwirken. Sich als Veranstalter so aus der Affäre ziehen zu wollen ist unseres Erachtens ein Armutszeugnis. Norbert Blüm hat auch hierfür erneut eine klare Antwort parat: "Solche Weltmeisterschaften dürfen in solchen Staaten nicht mehr durchgeführt werden."

...Dieser Blatter ist ein großer Geschäftemacher.“

Der ehemalige Arbeitsminister zeigte sich sehr empört über die Aussagen des FIFA-Sprechers: "Ich kann dieses Abwiegeln, dieses Verharmlosen nicht mehr ertragen. Die WM sollte endgültig aus Katar abgezogen werden", so Blüm. Weiter appellierte er an die deutschen Fußballfans: "Wenn der Fußball wirklich das Spiel bleiben soll, das wir alle lieben, dann lasst euch von den Geschäftemachern wie Fifa nicht das Spiel verderben. Dieser Blatter ist ein großer Geschäftemacher. Der hat mit Fußball so viel zu tun wie ich mit der Weltraumfahrt."

Für den FIFA-Sprecher Alexander Koch sei ein Abzug der Fußball WM aus Katar jedoch falsch: "Wer sich die Situation der Arbeitnehmer in Katar zu Herzen nimmt und ernsthaft behauptet, ein Boykott oder der Wegzug der WM aus Katar würde die Situation verbessern, der ist meiner Ansicht nach naiv." Das Ausnutzen dieses Systems ändert jedoch auch nichts daran. Im Gegenteil, die FIFA hinterlässt den Eindruck sich dieses unfaire System zu nutze zu machen.

Auch der stellvertretende Bundesvorsitzende der IG BAU und Vize-Präsident der internationalen Baugewerkschaften, Dietmar Schäfers, kennt die elenden Arbeits- und Lebensbedingungen der Gastarbeiter im WM Gastgeberland Katar. Insgesamt zweimal reiste er in den vergangenen Jahren in das Emirat und besuchte Baustellen sowie Arbeiterunterkünfte. "Ich habe die Bilder dieser menschenunwürdigen Unterkünfte vor Augen, das sind Unterkünfte, die ich gesehen habe, da würde ich meinen Hund nicht schlafen lassen", erklärte er im stern TV-Interview. Die dortigen Zustände seien ein Skandal. Bereits seit Jahren spricht sich der Gewerkschafter gegen die WM in Katar aus.

Zur Rolle der FIFA sagte Schäfers: "Die FIFA hat bei der Vergabe einen großen Fehler gemacht. Sie hätten vertraglich regeln müssen, dass die Bauarbeiter nur unter guten Arbeits- und Lebensbedingungen in Katar arbeiten dürfen. Sie ist hauptverantwortlich für die Missstände. Die fahren wirtschaftlich Riesengewinne ein und das auf Kosten der einfachen Arbeiter. Die FIFA ist für die Toten auf den Baustellen zwar nicht direkt verantwortlich, aber sie nimmt sie billigend in Kauf." Über die menschenunwürdigen Zustände sprach er 2014 sogar mit FIFA-Präsident Joseph Blatter. Nette Worte seien ausgetauscht worden, geschehen sei seither jedoch nichts.

Stell Dir vor es ist Fußball WM und keiner geht hin!

Ein WM Boykott kann sicher nicht als generelle Problemlösung betrachtet werden, aber könnte sicher etwas bewegen. Gerade wenn Fußballgrößen wie Messi, Ronaldo und Co. oder gleich ganze Fußballmannschaften ein Zeichen setzen und aufgrund dieser Missstände die Teilnahme verweigern würden. Das gleiche gilt für Großkonzerne und hochrangige Politiker aller Länder. Fußballfans bezahlen das Spektakel und unterstützen somit ebenfalls indirekt das ganze System. Wenn die WM Stadien bei den Spielen nur halb voll wären, dann wäre das schon ein Zeichen. Ein momentan undenkbares Szenario. Jedoch ginge das Ganze zu Lasten des Fußballs, was weder im Interesse der Fans noch der Veranstalter liegt.

Daher wäre es hier sicher sinnvoller, wenn der Druck auf die Verantwortlichen wächst und sie zum Handeln bewegt. Zum Beispiel, wenn künftig nicht mehr Fußballweltmeisterschaften oder andere Sportveranstaltungen in Ländern stattfinden, wo Menschenrechte missachtet werden und wie im WM-Falle sogar noch Stadien unter menschenunwürdigen Bedienungen entstehen. Dies würde sowohl dem bereits sowieso schon angeschlagenen Image der FIFA und dem Sport an sich sicher gut tun. Zudem könnte es Länder wie Katar zwingen, die dort geltende Arbeits- und Sozialpolitik zu ändern, bzw. nicht mehr dem Kafala-System beizutreten. Medienanstalten und Sponsoren könnten letztendlich den meisten Druck ausüben, jedoch möchte kaum einer auf den großen WM-Kuchen als Einnahmequelle verzichten. Da werden Probleme mal eben schnell wieder ausgeblendet. Leider!  

Öffentlichkeitsarbeit für Entmündigte

In sieben Jahren findet die WM Statt. Jeder Medienbericht über die schlimmen Arbeitsbedingungen hilft, um ein eventuelles Umdenken zu erwirken. Seit der Vergabe der WM im Dezember 2010 sorgen besonders die Arbeits- und Lebensbedingungen der rund 1,5 Millionen Gastarbeiter in Katar für Schlagzeilen.

Hier ein paar ausgewählte Berichte: 

http://www.stern.de/tv/sterntv/stern-tv-norbert-bluems-kritik-an-der-wm-vergabe-nach-katar-durch-die-fifa-2194975.html

http://www.presseportal.de/pm/6514/3022159

http://www.presseportal.de/pm/6514/3027460

 

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 Bilder: Screenshots stern TV

 

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