Fairphone 2: Das fairste Smartphone im Test

Nach dem erfolgreichen 1. Fairphone musste sich die Fangemeinde lange gedulden, bis ein Nachfolgegerät auf den Markt kommt. Doch das lange Warten hat sich sowohl für die Kunden als auch für die Arbeiter gelohnt. Vor wenigen Tagen wurde das neue Fairphone 2 an die ersten Vorbesteller ausgeliefert und auch wir haben ein Testmuster erhalten. Wir freuen uns heute unseren Testbericht über das 1. Modulare Smartphone zu berichten.

Bereits im August 2014 veröffentlichten wir den Testbericht über das 1. Fairphone. Seitdem ist in Sachen Entwicklung einiges geschehen. Die niederländische Firma hat für viel Aufmerksamkeit gesorgt und auch auf dem sozialen Wege wieder einiges bewegt. Was genau kann man u.a.  in diesem Blog erfahren. Das Fairphone 2 ist das erste Smartphone, welches der Hersteller aus Holland selbst entwickelt hat und das erste modulare Smartphone auf dem Markt. Eigentlich sollte das Fairphone 2 pünktlich zu den Weihnachtstagen an die Vorbesteller ausgeliefert werden. Der Grund warum es nicht rechtzeitig im vollen Umfang geklappt hat sollte die Fairphone Besteller jedoch nicht verärgern. Der gleichnamige Hersteller möchte bewirken, dass Smartphones in China unter besseren Arbeitsbedingungen hergestellt werden als allgemein üblich. Ohne unbezahlte Überstunden und spontane Nachtschichten. Fairphone kann die Arbeiter entlasten, wenn Kunden Verzögerungen in Kauf nehmen. Da Fairphone Besteller jedoch andere Maßstäbe als andere Smartphone-Besitzer haben, sollten diese Umstände in der Unterstützergemeinde weniger auf Ärgernis dafür eher auf Begrüßung stoßen.

Mehr Zeit zum Handeln

Wie bereits beim ersten Modell zahlen Fairphone und der Auftragsfertiger für jedes verkaufte Fairphone 5 US-Dollar in einen Fonds für die Arbeiter ein. Erzeuger sollen so demokratisch bestimmen können, wofür sie das Geld verwenden wollen. Die wichtigste Verbesserung bei dem chinesischen Auftragshersteller Hi-P sind die Bearbeitungen der Arbeitsbedingungen. Aufgrund des Drängens von Fairphone und  anderen internationale Kunden setzte Hi-P im August 2015 den Vorschlag um. Seither liegt die maximale Arbeitszeit bei 60 Stunden pro Woche statt bei 66. Dies ist zwar nur ein kleiner Schritt dafür in die richtige Richtung. Das Beispiel von Fairphone zeigt, dass Umdenken und die Einstellung von Unternehmen und Kunden viel bewirken kann.

Es ist schon ein Armutszeugnis, dass in der heutigen Zeit erst ein kleines Unternehmen wie Fairphone Großkonzernen vormacht wie einfach es sein kann einen Wandel zu bewegen und Smartphones fairer produzieren zu lassen. In einer „Immer mehr Gesellschaft“ wo Kunden nur die beste Technik auf möglichst schnellstem Wege möchten ist es schwer zu konkurrieren. Doch Fairphone sucht auch nicht den Wettbewerb, denn genau dieser fördert den unfairen Handel. Fairphone ist seit der Gründung im Jahr 2013 der einzige Hersteller, der sich zur Aufgabe gemacht hat Smartphones fairer herstellen zu lassen und den gesamten Produktionsverlauf offen darzulegen. Eine 100% faire Herstellung ist momentan noch nahezu unmöglich. Das betont auch Fairphone offen. Mehr über die Schattenseiten von Smartphones. Trotzdem ist Fairphone der bislang einzige Smartphone-Hersteller, der auf eine fairere Art und Weise herstellen lässt und die Aufmerksamkeit voll und ganz darauf setzt.     

Auch beim Fairphone 2 achtet der niederländische Hersteller darauf, dass die Herstellung unter ethischen Mindeststandards erfolgt. Angefangen bei den Rohstoffen über die Produktion bis hin zur reparaturfreundlichen und somit nachhaltigen Konstruktion. Fairphone verweist dabei u. a. auf den Bezug von „konfliktfreiem Zinn und Tantal“ aus der Demokratischen Republik Kongo und die Optimierung des Elektroschrott-Recyclingprogramms in Ghana. Die wichtigsten Inhaltsstoffe von Smartphones

Der erste Eindruck

Als Lieferumfang gibt es in der schicken Recycling-Verpackung neben dem Fairphone 2 das Back-Cover, den herausnehmbaren Akku und eine Anleitung. Ladegerät sowie Kabel sind aus ökologischen Gründen nicht dabei. Schon nach dem ersten Auspacken fällt den Testern den enorme Größenveränderung auf. Im Gegensatz zum ersten Fairphone hat das aktuelle Gerät einen 5-Zoll-Full-HD-Display. Das Back-Cover ist standardmäßig in der Farbe „Black Matte“ und zum Testzeitpunkt noch in den Farben „Black Translucent“,  Blue Translucent“, „Blue Matte“ und „Transparent“ erhältlich. Die Schutzhüllen fungieren sowohl als Back-Cover als auch als Bumper. Dadurch ist das Fairphone sehr robust und widerstandsfähig gegen Stürze, was auch unsere Tests zeigen. Durch die Kunststoffhülle ist das Fairphone 2 jedoch auch etwas dicker als vergleichbare Smartphones anderer Hersteller. Als Konkurrenten würden wir Apple, Samsung, LG und Co. nicht bezeichnen, da Fairphone aufgrund des fairen Alleinstellungsmerkmals und der Modularität quasi konkurrenzlos ist. 

Dank der gummierten Seitenflächen, die sich auch über die Displayfront erstrecken und der rauen Plastik-Rückseite liegt das Fairphone 2 sehr gut in der Hand und bietet aufgrund der Solidität gegenüber anderen Smartphones einen echten Mehrwert. Auch ohne Hülle macht das Smartphone einen robusten Eindruck und lässt sich im Test auch nicht verbiegen. Um die Plastikhülle abzunehmen und wieder aufzusetzen bedarf es etwas Fingerspitzengefühl und Geduld. Unser Tester bemerkt, dass er hier nicht zu zaghaft vorgehen darf, da sich sonst das Gummi nicht komplett über die Front setzt. In den Ecken muss hin und wieder etwas nachgeholfen werden. Nach einer gewissen Zeit haben sich jedoch sowohl der Tester als auch das Material an die Prozedur gewöhnt und es wird zunehmend leichter.

Über die Herstellung der Rückseite gibt es ebenfalls Auskunft. So lässt Fairphone das Plastik-Cover des Fairphone 2 nicht sprühlackieren, damit die Arbeiter nicht mit diesen gesundheitsgefährdenden Stoffen in Berührung kommen sollen. Ein kleiner Nachteil dabei ist, dass unlackierte Rückseiten schneller verkratzen. Fairphone Kunden, die die Gründe für die Kratzanfälligkeit kennen, werden mit Sicherheit auch diese Schönheitsfehler in Kauf nehmen. Insgesamt macht das Fairphone auf die Tester einen schlichten und zugleich optisch ansprechenden Eindruck.

 


Das erste modulare Smartphone

Kommen wir nun von den äußeren zu den inneren Werten. Wie eingangs schon erwähnt ist das Fairphone 2 das erste Smartphone auf dem Markt, das man als "modular" bezeichnet werden kann. Es besteht neben aus folgenden fünf Modulen:

1 Top-Modul  (ca. 25 EUR*)

2 Haupt-Modul (ca. 315 EUR*)

3 Display-Modul (ca. 86 EUR*)

4 Kamera-Modul (35 EUR*)

5 Bottom-Modul (ca. 20 EUR*)                                                                                                                           *Preise zum Testzeitpunkt                                                                                                                

Der Akku ist für ca. 20 EUR* zu haben und die Back-Cover für ca. 27 EUR* HIER und HIER gibt es Ersatz- und Zubehörteile für das Fairphone 2    


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

    

 

                                                       

Reparierbar, günstig, nachhaltig 

Daher ist es möglich das Fairphone in einfachen Schritten auseinanderzunehmen. Der Akku und das Display lassen sich sogar ohne Werkzeug austauschen. Die restlichen drei Module sind verschraubt und lassen sich mit einem Kreuzschlitz-Schraubendreher einfach ausbauen. Wo geschraubt werden muss wird anhand von blauen Kreisen gezeigt. Alle Schrauben sind gleichlang und die innovativen Federkontakte ermöglichen einen einfachen und schnellen Modulwechsel. Im Test haben wir innerhalb weniger Minuten das komplette Fairphone zerlegt und wieder zusammengebaut. Kein Wunder also, dass das Fairphone 2 vor kurzem die iFixit Bestnote erhalten hat. Die einzelnen Kontaktabschirmungen musste Fairphone komplett neu entwickeln. Fairphone bietet alle auswechselbaren Bauteile (inkl. Akku) als Ersatzteile an und rät den Anwendern, sie bei Defekten selbst zu tauschen. Das Display gibt es zurzeit für rund 86 EUR zu haben.

Das Baukastenprinzip erleichtert bisher „nur“ die Reparatur. Hardware-Upgrades, wie zum Beispiel auf eine andere Kamera werden zurzeit nicht angeboten. Darauf kommt es dem Unternehmen und den Kunden offenbar momentan nicht an, sondern um die Nachhaltigkeit. Die Modularität soll die Lebensdauer der Geräte verlängern und somit die Ökobilanz verbessern. Wie anfangs bereits erwähnt, verzichtet Fairphone auf die Beigabe eines Ladegeräts sowie Ladekabels. Durch das Weglassen dieser Zubehörteile will Fairphone vermeiden, Kunden etwas zu berechnen, was die meisten sowieso schon zu Hause haben. Auch tragen sowohl der Hersteller als auch die Kunden damit zur Vermeidung von Elektroschrott bei. Das Fairphone 2 nutzt einen Standard Micro-USB Adapter Typ B Ladegerät mit einem nominalen Output von 5 Volt und 1 Ampere (oder 1000mA). Ladegeräte mit einem passenden Anschluss entsprechen meistens diesen Anforderungen.

 

Langlebigkeit und Transparenz

Im Test benutzen wir ein solches Ladegerät, welches üblicher Weise für ein HTC Smartphone verwendet wird. Bei den ersten beiden Aufladungen erhitzte sich das Fairphone stark. Ab dem dritten Ladevorgang ist alles im grünen Bereich. Alternativ kann man das Fairphone auch mit einem Datenkabel an den USB Port des Computers anschließen. Der 2420 mAh Maxell Lithium-Ion Akku ist wie eingangs schon erwähnt herausnehmbar! Eine Eigenschaft, die Apple, Samsung und viele weitere Hersteller ihren Kunden nicht mehr ermöglichen. Da viele Handys mehr und mehr zum Verbrauchsgegenstand werden und jedes Jahr neue Versionen auf den Markt kommen, wird dieser Punkt scheinbar von vielen Benutzern auch nicht mehr als wichtig empfunden.

Zurzeit kostet das Fairphone 2 rund 530 EUR. Trotz des relativ hohen Anschaffungspreises macht der Hersteller laut eigener Angaben pro verkauftem Fairphone jedoch nur 9 Euro Gewinn vor Steuern. Das ist eine recht geringe Marge und kein Vergleich zu anderen Herstellern, die teils mehrere Hundert Euro Gewinn pro Gerät machen. Bestes Beispiel: Apple! Medienberichten zufolge brachte das iPhone 6S Apple im Jahr 2015 eine Marge von 650 Euro. Hier ein Mehr über Apples enorme Gewinnspanne. Fairphone ist der bislang einzige Smartphone-Hersteller, der seine Kosten und Investitionen komplett offenlegt. Im sogenannten "Cost Breakdown" zeigt der Hersteller zum Beispiel, dass das Fairphone rund 40 Euro pro Gerät für Patentgebühren & Lizenzen ausgeben muss, während die Arbeitsleistung beim Zusammenbau 10 Euro kostet. Die größten Ausgaben bilden mit 230 Euro die Rohstoffe. Zum Vergleich: Apple zahlt laut Medienberichten und Schätzungen die elektronischen Bauteile des iPhone 6S nur 112 Euro und nur 4 Dollar für den Zusammenbau.

Technische Highlights des Fairphone 2

5-Zoll-Full-HD-Display

Android™ 5.1, Lollipop

Qualcomm Snapdragon 801 Prozessor mit 4 x 2,3 GHz

2 GByte RAM

32 GByte Flash-Speicher / per microSD erweiterbar

LTE / 4G

Dual-SIM

   


Flottes Arbeitstempo, viel Speicher

Das Fairphone der 2. Generation bietet ein wertiges 5-Zoll-Full-HD-Display mit Gorilla-Glas. Dieses fühlt sich angenehm und zugleich sehr solide an. Im Inneren des Fairphone 2 arbeitet der äußerst beliebte Qualcomm Snapdragon 801 Quad-Core Prozessor mit einer maximalen Taktfrequenz von 2,3 GHz. Im Test macht dieser größtenteils eine gute Figur. Ob scrollen oder zoomen, in allen Durchgängen zeigt das Fairphone Können und erweist sich als schnell und souverän.

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