Transparenz Check: 26 Smartphone Hersteller im Vergleich

Microsoft gibt auf dieser Webseite an, dass das Unternehmen sich „verpflichtet, die Menschenrechte von allen zu respektieren“. Durch die globale Menschenrechtserklärung von Microsoft und als Unterzeichner des UN Global Compact würde sich der Hersteller verpflichten, Menschenrechtsbündnisse und Erklärungen der UN und OHCHR zu beachten. Zudem gibt es auch einen Konfliktmineralien-Report. Auch der Umweltschutz würde ernstgenommen werden. In wie weit hier wirklich bis in alle Lieferketten fair gehandelt wird, können wir nicht abschätzen. In Anbetracht dessen, dass es das das Lumia 630 zum Zeitpunkt der Berichterstattung bereits für 99 EUR im Handel gibt, ist es schwer vorstellbar, dass hier Menschen am anderen Ende der Kette davon leben können.

Weitere, öffentlich zugängliche CSR-Berichte gibt es von:

HTC

Huawei

Lenovo

CATERPILLAR

Acer

Alcatel

Asus

Blackberry

Haier

ZTE

Das Gesamtergebnis unsere Vergleichs:

  • Acer
  • Alcatel
  • Apple
  • Archos
  • Asus
  • Blackberry
  • Caterpillar
  • Coolpad
  • Doro
  • Fairphone
  • Haier
  • HONOR
  • HTC
  • HUAWEI
  • Lenovo (Motorola, MEDION)
  • LG
  • Microsoft/Nokia
  • Mobistel
  • Neffos
  • OnePlus
  • Samsung
  • Shiftphone
  • SONY
  • Wiko
  • Xiaomi
  • ZTE

Rot= Keine Angaben - Schwarz = wenig Angaben - Grün= Ausführliche Angaben (zum Zeitpunkt der Berichterstattung)

.

Fazit: Wir waren überrascht, wie viele Hersteller scheinbar offen und transparent in Sachen Herstellungsbedingungen kommunizieren: 15 von 26 Herstellern haben auf ihrer Unternehmens-Website viele Informationen rund um die Herstellungsbedingungen öffentlich zugänglich gemacht. Leider konnte jedoch kein einziger Bericht alle unsere Fragen zufriedenstellend beantworten. Zu sehr beherrschte oftmals der Konjunktiv den Grundkontext und häufig waren wichtige Berichte nur auf englischer Sprache verfügbar oder identisch mit denen von Konkurrenten. Neun Hersteller haben keine Infos über die Herstellung/Produktion angegeben. 

Viele Hersteller sprechen oftmals von der sogenannten Corporate Social Responsibility, kurz CSR, was so viel wie die unternehmerische Gesellschaftsverantwortung oder auch unternehmerische Sozialverantwortung bedeutet. Diese umschreibt den freiwilligen Beitrag der Wirtschaft zu einer nachhaltigen Entwicklung, der über die gesetzlichen Forderungen hinausgeht. Uns viel im Vergleich auf, dass sich viele CSR-Berichte sowie Verhaltenskodexe im inhaltlichen Aufbau und Kontext ähnelten. Die als PDF bereitgestellten Code of Conducts waren sogar bei manchen Herstellern an manchen Passagen 1:1 gleich. Auch gibt es scheinbar viele Lücken, die Hersteller ausnutzen können, um mit ihren Standards nach außen hin im Reinen zu sein, während bei Zulieferern andere Gepflogenheiten herrschen. Zum Beispiel was lange Arbeitszeiten, Bezahlung und die Beschäftigung Minderjähriger betrifft. Hier verlassen sich viele Hersteller scheinbar nur auf Aussagen von Firmeninhabern oder Prüfern, deren Abhängigkeit nicht ganz klar ist. Hersteller wälzen zudem oft auf Gesetzeslagen anderer Länder ab und meinen somit sich somit der Verantwortung entziehen zu können.  

Die traurige Wahrheit sieht jedoch oftmals anders aus. Aufgrund des hohen Auftragsvolumens vieler Hersteller werden Arbeiter rund um den Globus ausgebeutet und versklavt. So lange weder in der Konsumgesellschaft, noch bei den Hersteller hier ein Umdenken geschieht, wird sich an dieser Lage auch sehr wahrscheinlich nie etwas ändern. Ausländische Arbeitskräfte sind nun einmal günstig und ersetzbar. Was kann getan werden, um diese Dinge nachhaltig und effektiv zu ändern? Ein Boykott wäre für alle Seiten das Schlechteste. Die Lösung liegt ferner darin die Prioritäten und Prinzipien zu ändern. Wie bereits in diesem Beitrag berichtet, fehlen uns zudem vom Gesetzgeber klare, gesetzlich vorgegebene Bestimmungen, die bei Nichteinhalten sanktioniert werden.

Fairphone und Shiftphone

Umso mehr freut es uns, dass es auch in Herstellerkreisen Menschen gibt, die ihren Fokus nicht auf Gewinnoptimierung und Wettbewerb setzen, sondern auf nachhaltige Produkte, die fair(er) hergestellt werden, sowie die Umwelt weniger belasten. Der einzige, uns bekannte Hersteller, der diese Ansprüche erfüllt, absolut transparent ist und sogar mit dem Blauen Engel ausgezeichnet wurde, ist Fairphone! Der niederländische Hersteller hat sich uns gegenüber immer als sehr nahbar, offen und freundlich erweisen. E-Mails wurden zudem immer ausführlich und zufriedenstellend beantwortet.

Wir hatten sowohl das erste Fairphone 1 als auch das Fairphone 2 im Test und waren nicht nur von den Produkten, sondern auch von dem niederländischen Unternehmen an sich sehr begeistert. Fairphone bezieht als einziger Hersteller weltweit vier Mineralien aus konfliktfreien Förderstätten. Das Modell der 2. Generation kostete zuletzt 525 EUR. In diesem PDF Dokument werden Käufer genauestens über die Verwendung des Kaufpreises informiert. Ein weiterer Hersteller, der in Sachen Herstellung und Transparenz andere Wege als der Mainstream geht ist Shiftphone. Das deutsche Unternehmen kommuniziert auf ihrer Website ganz offen über das Thema Herstellung, Lieferketten und zeigt ebenfalls, dass dieses Thema von großer Bedeutung ist. Hier werden keine Standard-Klauseln in Leserunfreundlichen, englisch geschriebenen PDFs untergebracht, sondern in klaren Worten offen kommuniziert. Als Beispiel gibt der Hersteller an, nur in kleinen, chinesischen Familienbetrieben fertigen zu lassen, welches sie auch vor Ort besuchen. Zudem würde auf eine faire Bezahlung und angemessene Arbeitsstunden Wert gelegt werden. Von „weniger als 50 Arbeitsstunden“ ist hier beispielsweise die Rede, was ein großer Unterschied ist, zu den üblichen Höchstgrenzen, bzw. Vorgaben anderer Unternehmen. 

Die Beliebtheit des Shiftphones und des Fairphones zeigt, dass auch auf Seiten der Konsumenten immer mehr Kunden Wert auf Fairness und Nachhaltigkeit legen. Wer beim Kauf den Fokus auf Fairness legt, der muss jedoch auch gewisse Abstriche in Kauf nehmen. Zum Beispiel in Sachen Wartezeit und Verfügbarkeit. Die Fertigungs- und Lieferzeiten dauern bei den beiden kleineren Unternehmen natürlich länger. Sowohl das Fairphone, als auch das Shiftphone können zudem noch nicht in denselben hohen Mengen wie ein iPhone produziert werden. Wenn Kunden etwas mehr Geduld aufweisen und somit Arbeitern weniger Leistungsdruck zu Last legen, dann ist dies bereits ein guter Anfang. Hier kann man nur hoffen, dass in Zukunft mehr Kunden beim Kauf eine Smartphones andere Maßstäbe setzen, doch in einer „Jetzt haben Gesellschaft“, wo Statussymbole und Ansehen eine immer größere Rolle spielen, wird es wahrscheinlich noch lange dauern, bis ein kollektives Umdenken geschieht.

Aktiv werden und hinterfragen heißt die Devise! Je mehr Kunden Hersteller mit unbequemen Fragen zu den Herstellungsbedingungen konfrontieren, desto mehr kommen Hersteller in eine Art Zugzwang. 

Weitere Berichte über die unfaire Herstellung von Smartphones gibt es hier:

An unseren Smartphones klebt Blut!

Die Schattenseiten von Smartphones und Co.

Menschenrechte per Gesetz 

Sklavenarbeit für unseren Fortschritt

 

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Bildrechte: testlabor.eu, Fairphone, Amnesty International, Afrewatch, Pixabay, By Steve Jurvetson from Menlo Park, USA (glue worksUploaded by Zolo) [CC BY 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0)], via Wikimedia Commons, Flickr Philip Wilson CC BY 2.0, Bestimmte Rechte vorbehalten.

 

 

 

 

 

 

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