Transparenz Check: 26 Smartphone Hersteller im Vergleich

Weiter geht es mit Apple. Unter diesem Link ist Apple ebenfalls sehr aussagefreudig. Es werden sogar Listen über Zulieferer und Schmelzwerke veröffentlicht. Zudem gibt es viele weitere Dokumente und Auskünfte, die viele unserer Fragen abdecken. Interessant ist hierbei vor allem der Bericht zu den sogenannten Konfliktmineralien. Hier gesteht Apple sogar ein, dass Apple „nicht genügend Informationen hat, um die Herkunftsländer der Mineralien in allen Produkten endgültig zu bestimmen“. Auf Seite 30 wird u.a. auch die demokratische Republik Kongo genannt. Zudem Kenia, Namibia, Zambia und viele weitere Länder, wo es schwer ist, Nachweise für eine faire Behandlung von Minenarbeitern zu finden und es umso leichter ist, Menschen auszubeuten.

Vielen Medienberichten zufolge ist das Problem in Konfliktgebieten wie im Kongo ein besonders großes, globales Problem, auf welches auch schon Amnesty International aufmerksam gemacht haben. Nicht nur bei der Smartphone-Herstellung profitieren viele Großkonzerne von Kinderarbeit, sondern auch in vielen anderen Bereichen wo derartige Mineralien benötigt werden. Zum Beispiel bei Computern/Laptops, Fernsehgeräten, Waschmaschinen, Autos und Spielkonsolen. Letztere werden oftmals zynischer Weise von Kindern hergestellt.

Die Konfliktmineralien Tantal (Coltan), Zinn, Wolfram und Gold werden in Fertigungsgütern vieler Branchen genutzt, darunter Luft- und Raumfahrt, Automobil-, Elektronik-, Schmuck-, Medizin-, Werkzeug- und Werkzeugbau. Neben den vier Konfliktmineralien ist auch Kobalt ein höchst umstrittenes Mineral, denn auch Kobalt wird u.a. im Kongo unter äußerst schlimmen Arbeitsbedingungen gewonnen. Kobalt wird überwiegend zur Herstellung von Lithium-Ionen-Batterien benötigt, die auch in Laptops oder Elektroautos verbaut werden. Apple versucht, die Arbeitsbedingungen beim Kobaltabbau im Kongo zu verbessern.

Nach einem Bericht der Washington Post hat Apple temporär den Ankauf von Kobalt, welches unter anderem im iPhone-Akku verwendet wird, aus Minen gestoppt, in denen von Hand abgebaut wird. Probleme mit Kinderarbeit und schlechten Arbeitsverhältnissen würden aber weiterhin bestehen. Das UN-Hilfswerk schätzt die Zahl der minderjährigen Arbeiter in den Minen Kongos auf rund vierzigtausend. Ob und in wie weit Apple nun wirklich hier signifikante Verbesserungen bewirkt oder nur anstrebt wissen wir nicht. Der Ansatz und eine Form des Bewusstseins sind jedoch offenbar vorhanden, was auch dieser Bericht zeigt.

In Sachen Produktionsbedingungen habe Apple im Jahr 2016 sogar „wöchentlich die Arbeitszeiten bei Zulieferern überprüft“. Apple hätte im Zuge dessen das Ergebnis aus dem letzten Jahr verbessert und die Einhaltung der 60-Stunden-Woche, bzw. der Richtlinien zu Arbeitszeiten in 98 % aller Arbeitswochen erreicht. Diese basiere auf Standards der International Labor Organisation und der EICC, die die Arbeitszeit auf nicht mehr als 60 Stunden pro Woche begrenzt und mindestens einen freien Tag alle sieben Tage garantiert. Das bedeutet im Klartext, dass sich die Fertigungsstätten an diese Richtlinien halten müssten und Apple darüber Bericht erstatten sollen. Laut dem Richtmaß dürfen Fabriken demnach ihre Mitarbeiter dazu verpflichten, sechs Tage in der Woche a 10 Stunden am Fließband zu arbeiten. Dieser Standard steht auch in den "Code of Conducts" vieler anderer Smartphone-Hersteller. Im Ganzen heisst es im Text der EICC, dass "eine Arbeitswoche, einschließlich Überstunden nicht mehr als 60 Stunden pro Woche sein sollte, außer im Notfall oder in außergewöhnlichen Situationen.

Beispiele für solche Situationen sind laut EICC:

Ausfall der Anlage, Stromausfall oder ein „sonstiger Notfall“, der zu einem längeren Zeitpunkt dazu führt, die Produktionsreihe abzuschalten.

Unvorhergesehene Roh- oder Bauteilmängel oder Qualitätsprobleme, die die Produktion beenden.

Die übermäßigen Überstunden werden dann in beiden Situationen benötigt, um verlorene Produktionszeiten zurückzugewinnen um Kundenverpflichtungen zu erfüllen.

Das bedeutet im Detail, dass Fabrikarbeiter- auch jugendliche- auf Basis dieser Gegebenheiten theoretisch auch 70, 80, 90 oder mehr Arbeitsstunden pro Woche leisten müssen.  

Medienberichten zufolge halten sich jedoch längst nicht alle Zulieferer an vorgegebene Zeiten in den Richtilinien. Paradebeispiele sind große Fertigungsstätten wie Foxconn und Pegatron. Berichte über Menschen, die bei Foxconn den Druck nicht mehr aushielten und in den Tod sprangen, gibt es u.a. noch HIER und HIER nachzulesen. Das „Selbstmord-Problem“ wurde nach den Vorfällen durch Auffangnetze und Anti-Selbstmord-Klauseln „gelöst“. Der chinesische Zulieferer Pegatron stand kürzlich in der Kritik. Ein Report der amerikanischen Non-Governmental Organisation China Labor Watch (CLW) prangert exzessive Überstundenkontingente an. Im Jahr 2015 seien im Durchschnitt 80 Stunden Mehrarbeit pro Monat geleistet worden, und im März 2016 sei dieser Umfang auf mehr als 100 Stunden gestiegen. Sogar Praktikanten hätten weit über die reguläre Arbeitszeit hinaus arbeiten müssen. Auch gibt es immer wieder Berichte von investigativen Reportern, die sich durch heimliches Einschleusen ähnliches berichten.

Informationen von Angestellten sind meist sehr schwierig zu bekommen, da sie Angst um ihre Arbeitsstelle haben. Noch schwieriger wird es Minenarbeiter im Kongo oder Indonesien zu befragen. Von einer Gewerkschaft können Produktionsarbeiter und Minenarbeiter meist nur träumen. Es gibt aber scheinbar auch positive Ansätze seitens von Apple, so versuche der Konzern, laut einem Bericht der Washington Post, die Arbeitsbedingungen beim Kobaltabbau im Kongo zu verbessern. Dem Bericht zufolge habe der Großkonzern temporär den Ankauf von Kobalt (das unter anderem im iPhone-Akku verwendet wird) aus Minen gestoppt, in denen von Hand abgebaut wird. Probleme mit Kinderarbeit und grundsätzlich harschen Arbeitsverhältnissen gäbe es jedoch nach wie vor. Ob diese Vorgehensweise genügt, bleibt abzuwarten.

Unser Gesamteindruck von Apples Transparenz war auf den ersten Blick positiv, da besonders viele Angaben publik gemacht werden und offenbar für die Thematik ein Bewusstsein da ist. Dennoch lesen wir auch hier noch Dinge, die uns daran zweifeln lassen, ob eine ausreichende Kontrolle in allen Lieferketten überhaupt signifikant möglich ist. Apple bemüht sich scheinbar, doch das ist unserer Ansicht nach für ein Großkonzerne mit einem jährlichen Milliardenumsatz nicht gunug. Ob und in wie weit der Hersteller auf alle Missstände Kontrolle hat und sanktioniert können wir trotz aller Dokumente nicht erkennen und bei einem solch großen Unternehmen mit dutzenden von Zulieferern und weiteren Subunternehmern ist das unseres Erachtens auch kaum möglich.

Apples Gewinnspanne des iPhone 7 liegt Medienberichten zu folge beinahe bei 200 Prozent. Apple produziert demnach zu ähnlichen Kosten wie die Konkurrenz, kann aber von den Kunden höhere Preise verlangen. Auf diese Weise gelingt es dem Unternehmen gewaltige Gewinne zu kassieren. Zu welchen Prozentteilen der Überschuss dann an Apples Marketing- und Entwicklungsabteilung, die Lieferkosten und das Finanzamt fließen, bleibt schleierhaft. Ein hoher Preis ist bei einem Smartphone somit auch kein Indiz, ob nun am anderen Ende der Lieferkette genügend Lohn gezahlt wird.  

Unser nächster großer Testkandidat ist LG Electronics. Auch hier sind wir über die Offenheit auf der Website erstaunt. Wir sehen zwar nicht so ausführliche Texte, dafür klingen diese ebenfalls sehr vielversprechend. Unter diesem Link wird wieder von Richtlinien gesprochen, die u.a. besagen, dass keine Konflikt-Mineralien in LG Produkten enthalten sein dürfen, die aus Quellen stammen, die bewaffnete Gruppen im Kongo finanzieren oder in angrenzende Regionen abgeleitet werden. LG verpflichtet sich laut eigenen Aussagen alle Lieferanten sich an den LG-eigenen Verhaltenskodex zu halten. Darüber hinaus verlangt LG von seinen Zulieferern, den LG-Lieferanten-Verhaltenskodex auf der Grundlage des Verhaltenskodex der elektronischen Industrie-Staatsbürgerschaft-Koalition (ElCC) einzuhalten, der die strengen Standards festlegt und Bestimmungen über die Menschenrechte enthält. U.a. ist hier das ethische Verhalten, der Umweltschutz sowie zusätzliche Bestimmungen über Konfliktmineralien enthalten. Der Fortschrittsbericht von LG ist- wie auch bei Apple- online downloadbar.

Unser Gesamteindruck von LG‘s Transparenz ist ähnlich wie bei Samsung und Apple. Man bekommt das gute Gefühl, dass alles nach geordneten Bahnen verläuft und dazu jede Menge Informationen. Immerhin werden Konfliktmineralien von allen drei Herstellern überhaupt wahrgenommen und angesprochen. Zudem beteuern alle drei Smartphone-Riesen, dass sie alles dafür tun, um keine Missstände in ihren Lieferketten zu haben. Nachprüfen lassen sich diese Dinge aus unserer Sicht nicht! Schon gar nicht aus Kundensicht. Gerade große Smartphone-Hersteller wie Apple, Samsung und LG können unserer Auffassung nach nicht jeden Zulieferer und deren Subunternehmen überprüfen.

SONY kommuniziert in Sachen Herstellung unter diesen Link: Sony verweist u.a. auf die Einhaltung des Umweltschutzes und der Menschenrechte. Kinderarbeit würde es laut diesem Bericht bei der SONY Group nicht geben. Wobei man hier die Definition Kind genauer definieren muss. Bis zum 14. Lebensjahr gilt eine Person als Kind. Gemäß des „Code of Conduct“ von Sony wird es sogar geduldet, wenn Arbeiter „jünger als 14 Jahre alt sind“, sofern die Definition im jeweiligen Land unter der üblichen liegen würde. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass nach deutscher Definition sehr wohl Kinderarbeit geduldet wird. Jugendliche dürfen gemäß des deutschen Jugendarbeitsschutzgesetzes nicht mehr als acht Stunden täglich und nicht mehr als 40 Stunden wöchentlich beschäftigt werden. Von diesen Höchstgrenzen können Minen- oder Fabrikarbeiter nur träumen, ganz zu schweigen von den Gehältern. Über Arbeitszeiten finden wir in dem Bericht keine Angaben. Dafür gibt es einen Konfliktmineralien-Report.

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